Himalaya Forum


Tibet im Exil

Bei seiner Flucht aus Tibet erreichte der 14. Dalai Lama am 18. April 1959 die Grenze zu Indien. Wie durch einen Nebel, krank, erschöpft und unglücklich, viel unglücklicher als er jemals sagen könne, habe er sein Land verlassen. Seit dem Einmarsch der Chinesen 1950 hatte sich die angespannte politische Lage in wenigen Jahren deutlich verschärft. Als sich die Anzeichen einer geplanten Entführung Seiner Heilig-keit verdichteten, blieb nur der Weg ins Exil. Mit der Auflage, sich jeglicher politischen Aktivität zu enthalten, gewährte ihm die indische Regierung Asyl. In kurzer Zeit folgten etwa 80 000 Tibeter ihrem Oberhaupt nach Indien.

Die Errichtung der Exilregierung
Im Ort McLeod Ganji oberhalb von Dharamsala im indischen Bundesstaat Himachal Pradeshgelegen fand der Dalai Lama 1960 seine neue Heimat. Hier baute er schrittweise eine Exilregierung auf, deren Basis eine neue, auf buddhistischen Leitsätzen und der Internationalen Menschenrechtserklärung beruhende, liberale Verfassung war. Im Lauf der Zeit wurden die einem demokratischen System entsprechenden Institutionen gegründet. Neben einem Parlament mit direkt gewählten Abgeordneten sind den vom Dalai Lama ernannten Ministern eines Kabinetts folgende einzelne Aufgabenbereiche unterstellt: religiöse und kulturelle Angelegenheiten, Erziehung- und Bildungswesen, Finanz- und Wirtschaftswesen, Gesundheitswesen, Informationsabeilung, Sicherheitsabteilung.

Exiltibeter
Bis heute ist der Flüchtlingsstrom aus Tibet nicht ganz verebbt. Statistiken zufolge ist gut 120 000 Menschen die Flucht gelungen; ein Bruchteil derer, die es versucht haben. Trotz internationaler Unterstützung herrschten in den Durchgangslagern in Nepal, Sikkim, Bhutan und Indien in den 60er und 70er Jahren teilweise verheerende Zustände. Für viele kam die humanitäre Hilfe zu spät. Zudem konnten die kleinen Himalayaregionen, durch eigene Probleme daran gehindert, den Tibetern kein Asyl gewähren und die Flüchtlinge mussten verteilt und umgesiedelt werden. Für manche ein weiteres Trauma, denn die Anpassung an tropisch heiße Dschungelgebiete Südindiens bedeutete für die Menschen vom Dach der Welt erneut einen Überlebenskampf. Heute leben etwa 90 000 Tibeter in Nord- und Südindien, 10 000 in Nepal, 1000 in Bhutan, 3000 in Europa, überwiegend in der Schweiz und ein kleiner Teil in Nordamerika. Die Lebensbedingungen und Probleme weichen dabei regional bedingt erheblich voneinander ab. In der Schweiz führen einige Tibeter kleine Betriebe und genießen einen dementsprechenden Lebensstandard. In anderen Staaten bewegen sich die Menschen an der Armutsgrenze. Die Wahrung der Identität und des kulturellen Erbes gelingt Tibetern in Nordindien auf Grund des umgebenden Kulturraumes problemloser als Tibetern in der Schweiz oder Amerika. Hier glückt der Spagat zwischen Anpassung, Sicherung des Lebensunterhalts und eigener Kultur nicht immer. Denn wenn tibetische Kinder kein Tibetisch mehr sprechen, ist viel verloren.

Die Arbeit der Exilregierung
Die Mobilisierung der internationalen Öffentlichkeit im Kampf der Exilregierung um die Durchsetzung des Völkerrechts ist neben der sozialen Betreuung ankommender Flüchtlinge, der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen und der fürsorglichen Unterbringung der vielen Waisenkinder eine der schwierigsten Aufgaben. Die Erörterung der Tibetfrage vor internationalen Gremien und Kommissionen hat bis heute zu keinen nennenswerten Verbesserungen geführt. Das Ringen um wirkliche Autonomie für Tibet, um Toleranz zwischen Völkern und Religionen mündete bislang in unverbindlichen Appellen. Die neuesten Entwicklungen geben wenig Hoffnung auf konkrete internationale Unterstützung, sondern eher Anlass zur Sorge. Im Frühjahr 2003 ist die nepalesische Regierung erstmals der Aufforderung Beijings nachgekommen und hat 18 tibetische Flüchtlinge an China ausgeliefert.

Weiterführende Links
www.tibet.com (offizielle Seite der Exilregierung Tibets in Dharamsala)
www.dharamsalanet.com
www.dieter-glogowski.de